Die Geschichte der Herzchirurgie

Geschichte der Herzchirurgie

Allgemein wird der Beginn der Herzchirurgie auf den 09.09.1896 datiert, als es L. Rehn in Frankfurt gelang, eine Herzstichverletzung erfolgreich durch direkte Naht zu verschließen. Historisch betrachtet wurden zunächst Methoden am schlagenden Herzen entwickelt.

Operationen am Herzbeutel:

L. Brauer schlug die Kardiolyse vor, die aber nur eine partielle Befreiung des Herzens brachte (1903). Die radikalere Perikarresection wurde vor allem von V. Schmieden in Frankfurt perfektioniert (1918).

Operationen am Herz- und Gefäßsystem:

Erste erfolgreiche Pulmonale Embolektomie durch M. Kirschner 1924, erste Entfernung eines Aneurysmas der rechten Herzkammer durch F. Sauerbruch 1931, erste Ligatur eines Ductus Botalli durch K.E. Frey 1938 in Düsseldorf, doch wurde darüber erst später berichtet. In den USA wurde ebenfalls 1938 durch R.E. Gross im Boston ein Ductus ligiert.

Durch den zweiten Weltkrieg wechselte der Schauplatz der Entwicklung der Herzchirurgie nach Nordamerika, England und Skandinavien. W. Forßmanns 1929 durchgeführte geniale Tat der Katheterisierung des menschlichen Herzens wurde in Deutschland verkannt, obwohl er 1956 dafür mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurde. Sauerbruch kommentierte die Tat mit den Worten: Damit kann man ja in der Chirurgie überhaupt nichts anfangen.

Herzchirurgische Entwicklung außerhalb Deutschlands:

T. Tuffier sprengte 1912 als Erster eine Aortenklappe, E. Cutler 1923 eine Mitralklappe. Diese Erfolge waren Einzelleistungen. Oft verwehrten die Internisten weitere Patienten, da sie nicht von dem Therapiekonzept überzeugt waren. 20 Jahre später setzte sich die Methode der digitalen bzw. instrumentellen Klappensprengung durch. Namen wie C. Bailey in Philadelphia 1946, D. Harken in Boston 1948 und R.C. Brock in London 1948 sind hier zu nennen.

1944 erfolgte die erste Operation einer Aortenisthmusstenose durch Resektion und End-End Naht durch C. Crafoord in Stockholm. In Deutschland führte F. Bernhard in Gießen 1948 diese Operation erstmals aus.
Durch die Kinderärztin H. Taussig angeregt legte A. Blalock 1944 bei einem 18 Monate alten Mädchen mit Fallotscher Tetralogie eine arteriopulmonale Anastomose zur Verbesserung der Lungendurchblutung an. Damit erhielten die sog. Blue Babies erstmals eine Überlebenschance.

Operationen an stillstehendem Herzen:

Ein Riesenschritt in der Entwicklung der Herzchirurgie wurde durch die Entwicklung der Oberflächenhypothermie (1950) durch G. Bigelow, Toronto, und die extrakorporale Zirkulation (1953) durch J. H. Gibbon, Philadelphia, bzw. durch die Kombination beider Verfahren gemacht. Damit war es möglich am stillstehenden Herzen sichtkontrolliert zu operieren.

1952 erster Verschluss eines Vorhofseptumdefektes durch F.J. Lewis in Minneapolis und durch H.C. Swan in Denver in Oberflächenhypothermie, 1955 erstmals in Deutschland durch E. Derra in Düsseldorf.
Nach dem ersten erfolgreichen Einsatz der Herz-Lungen-Maschine durch J.H. Gibbon, um bei einem 18 jährigen Mädchen einen Vorhofseptumdefekt zu verschließen, trat die Methode der Extrakorporalen Zirkulation immer mehr den Siegeszug an, doch nicht durch Gibbon. Da seine weiteren Patienten starben, legte er eine Pause ein. In diese Pause stießen J.W. Kirklin, der an der Mayo Klinik mit einem Gibbon type oxygenator eine Serie erfolgreicher intrakardialer Eingriffe durchführte und W. Lillehei, der die Kreuz Zirkulation benutzte und damit angeborene Malformationen korrigierte. Nach 45 Operationen wandte sich die Minnesota Gruppe aber auch dem Prinzip der Herz Lungen Maschine zu, mittlerweile war der Prototyp eines Bubble Oxygenators von De Wall und Lillehei entwickelt worden.

Im Februar 1958 operierte R. Zenker, damals Marburg, später München, als Erster in Deutschland einen Patienten mit Vorhofseptumdefekt mit der Herz-Lungen-Maschine.

Entwicklung der Herzklappenchirurgie:

Der erste Aortenklappenersatz wurde 1960 durch D. Harken, der erste Mitralklappenersatz ebenfalls 1960 durch A. Starr durchgeführt jeweils mit einer Starr Edwards Klappe unter Verwendung der Herz-Lungen-Maschine. Von diesen Kugel-Käfig-Ventilen, von denen es in der Folgezeit mehrere Designmodelle gab, ging die Entwicklung über die Kippscheibenventile (Typ Björk Shiley Prothese, 1969, oder Medtronic Hall Prothese, 1977) hin zu den Zweiflügel Ventilen (Typ St. Jude Medical Prothese, 1977, oder Carbomedics Prothese, 1986).

Entwicklung der Koronarchirurgie:

Nach anfänglichen indirekten Methoden zur Verbesserung der Myokarddurchblutung - hier seien C. Beck mit der Brustmuskelaufsteppung auf das Myokard, A. Lecius mit der Kardioomentopexie und M. Vineberg mit der Einpflanzung der A. mammaria ins Myokard genannt - trat die Koronarchirurgie erst 1967 mit der direkten Revaskularisation ihren Siegeszug an. Zugeschrieben wird diese Entwicklung R. Favaloro aus der Clevelandgruppe. Dabei werden Koronarstenosen mit körpereigenen Venen oder Arterien überbrückt.

Entwicklung der Herztransplantation:

Aufbauend besonders auf Voruntersuchungen von N. Shumway und R. Lower führte C. Barnard im Dezember 1967 die erste Herztransplantation durch. Sein Patient verstarb am 18. postoperativen Tag an einer Klebsielleninfektion. Die erste deutsche Herztransplantation, ebenfalls erfolglos, wurde im Februar 1969 von F. Sebening und W. Klinner in München vorgenommen. Die anfänglich von vielen Gruppen gezeigte hohe Frühletalität auf Grund von Abstoßungsreaktionen liess um 1969 größere Zurückhaltung aufkommen, die erst nachliess, als Cyclosporin in den 80iger Jahren mehr und mehr verfügbar war, da damit die Abstoßungsreaktion beherrschbar wurde. Heute liegt die Überlebensrate nach Herztransplantationen bei 70% nach fünf Jahren.